Was ist der Unterschied zwischen Legasthenie und LRS?
Die Begriffe Legasthenie und LRS werden oft synonym verwendet – doch es gibt Unterschiede bei Diagnose, Nachteilsausgleich und Finanzierung.

Legasthenie oder LRS? Im Elterngespräch, im Zeugnis und in der Arztpraxis fallen beide Begriffe – oft für dasselbe Kind, manchmal sogar im selben Satz. Das verunsichert, weil damit unterschiedliche Konsequenzen verbunden sein können: bei der Diagnostik, beim Nachteilsausgleich und bei der Frage, wer die Förderung bezahlt. Dieser Artikel ordnet die Begriffe.
Die kurze Antwort
Legasthenie ist eine bestimmte, anhaltende und veranlagte Form der Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten. LRS ist der weitere, vor allem schulisch gebrauchte Oberbegriff, der auch vorübergehende Schwierigkeiten einschließt. Anders gesagt: Jede Legasthenie ist eine LRS, aber nicht jede LRS ist eine Legasthenie.
Legasthenie – die medizinisch-diagnostische Bezeichnung
Legasthenie beschreibt eine neurologisch bedingte Teilleistungsstörung der Lese- und Rechtschreibfähigkeit. In den medizinischen Klassifikationssystemen taucht sie als Lese- und Rechtschreibstörung auf und gilt damit als diagnostizierbare Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten.
Charakteristisch sind vier Merkmale:
- Die Schwierigkeiten bestehen dauerhaft, nicht nur in einer Phase.
- Sie sind unabhängig von der Intelligenz; die Leseleistung bleibt deutlich hinter der allgemeinen Begabung zurück.
- Sie treten trotz angemessenen Unterrichts und ausreichender Übung auf.
- Sie haben eine erbliche Komponente und treten familiär gehäuft auf.
Die Ursachen liegen in der Verarbeitung von Sprache, insbesondere in der phonologischen Bewusstheit – der Fähigkeit, Wörter in Silben und Laute zu zerlegen. Ausführlich beschrieben ist das im Grundlagenartikel Was ist Legasthenie?.
LRS – die schulische und umgangssprachliche Bezeichnung
Der Begriff LRS stammt aus dem schulischen Kontext. Er ist bewusst weiter gefasst und beschreibt zunächst nur den Befund: Ein Kind liest und schreibt deutlich schwächer als erwartet. Über die Ursache sagt er nichts aus.
Unter LRS fallen deshalb auch Schwierigkeiten, die eine erkennbare äußere Ursache haben und sich wieder zurückbilden können:
- längere krankheitsbedingte Fehlzeiten in der entscheidenden Phase des Schriftspracherwerbs
- häufige Schul- oder Lehrkraftwechsel
- Deutsch als Zweitsprache, wenn die Schriftsprache noch nicht gefestigt ist
- seelische Belastungen wie Trennung, Umzug oder Mobbing
- unerkannte Seh- oder Hörschwächen
Was eine LRS im Alltag konkret bedeutet und woran man sie erkennt, fasst der Leitfaden Was ist LRS? zusammen.
Warum die Unterscheidung praktisch wichtig ist
Für die Diagnostik. Die Bezeichnung Legasthenie darf erst nach einer standardisierten Testung vergeben werden. LRS ist dagegen oft eine schulische Feststellung, für die in vielen Bundesländern die Schule selbst zuständig ist.
Für Nachteilsausgleich und Notenschutz. Die Regelungen sind Ländersache und unterscheiden sich erheblich. Manche Länder knüpfen Maßnahmen an ein schulisches Feststellungsverfahren, andere an ein fachärztliches Gutachten. Fragen Sie an Ihrer Schule nach, welche Grundlage dort verlangt wird.
Für die Finanzierung. Eine Lerntherapie ist keine Kassenleistung. Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Jugendamt sie als Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII übernehmen – dafür ist eine fachärztliche Diagnostik nötig, nicht nur eine schulische Einschätzung.
Für die Erwartung an den Verlauf. Eine vorübergehende Schwäche kann sich mit gezielter Unterstützung in ein bis zwei Schuljahren weitgehend auflösen. Bei einer Legasthenie ist die Perspektive eine andere: Sie bleibt, aber das Kind lernt Strategien und wird deutlich sicherer. Diese Erwartung zu kennen, erspart Familien viel Frustration.
Was sich in der Förderung nicht unterscheidet
So verschieden die Wege zur Diagnose sind: Die tägliche Arbeit mit dem Kind sieht in beiden Fällen ähnlich aus. Was wirkt, ist immer dasselbe.
Gute Förderung setzt beim tatsächlichen Stand des Kindes an, nicht beim Lehrplan der Klassenstufe. Sie arbeitet multisensorisch, verbindet also Hören, Sehen, Sprechen und Bewegung. Sie ist kleinschrittig und regelmäßig – lieber täglich zehn Minuten als einmal pro Woche eine Stunde. Und sie ist fehlerfreundlich: Ein Kind, das Angst vor dem nächsten roten Strich hat, lernt schlechter. Konkrete Aufgaben für Laute, Silben, Lesefluss und Rechtschreibung bündelt die Übersicht LRS-Übungen für zu Hause.
Genau daran setzt auch die Legaro App an. Sie bietet ein Übungsprogramm bei Legasthenie und LRS, das den Schwierigkeitsgrad automatisch an das Kind anpasst und die tägliche Einheit auf 10 bis 15 Minuten begrenzt – unabhängig davon, welcher der beiden Begriffe im Zeugnis oder im Befund steht. Woran Sie ein seriöses digitales Angebot erkennen, erklärt der Vergleich guter LRS Apps.
Fazit
Der Unterschied liegt in der Ursache und in der Dauer, nicht in der Schwere des Alltagsproblems. Legasthenie ist die anhaltende, veranlagte Form; LRS ist der Oberbegriff für alle deutlichen Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten. Für die Behörden und die Schule ist die Unterscheidung wichtig, für Ihr Kind zählt vor allem, dass die Förderung früh beginnt und zu ihm passt.
Erste Hinweise darauf, ob sich eine genauere Abklärung lohnt, gibt unser kostenloser Online-Test zur Lese-Rechtschreib-Schwäche.
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