Nachteilsausgleich und Notenschutz bei LRS: Die Regeln aller 16 Bundesländer
Nachteilsausgleich und Notenschutz bei LRS: Die Regeln aller 16 Bundesländer mit offiziellen Quellen im Überblick.
Stand: Oktober 2026

Wenn Ihr Kind große Schwierigkeiten beim Lesen oder Rechtschreiben hat, kann die Schule ihm das Lernen und die Leistungsnachweise erleichtern. Wie das genau geregelt ist, entscheidet jedes Bundesland selbst. Die Unterschiede sind groß: In manchen Ländern gibt es Notenschutz bis ins Abitur, in anderen endet er schon nach der 6. Klasse.
Auf dieser Seite finden Sie für jedes Bundesland die aktuelle Vorschrift, die wichtigsten Regeln und den Link zur offiziellen Quelle.
Das Wichtigste in Kürze
Nachteilsausgleich verändert die Bedingungen, nicht die Anforderungen. Beispiele sind mehr Zeit bei Klassenarbeiten, größere Schrift, ein Laptop oder ein ruhiger Raum. Ihr Kind muss dasselbe können wie alle anderen, bekommt aber faire Bedingungen dafür. Ein Nachteilsausgleich steht in keinem Bundesland im Zeugnis.
Notenschutz geht weiter: Bestimmte Leistungen werden nicht oder weniger stark bewertet, zum Beispiel die Rechtschreibung. Dafür steht in den meisten Ländern ein Vermerk im Zeugnis. Er nennt in der Regel nur die nicht bewertete Leistung, nicht die Diagnose.
Die gemeinsame Grundlage sind die Grundsätze der Kultusministerkonferenz von 2003, zuletzt gefasst 2007. Danach hat der Nachteilsausgleich Vorrang vor dem Notenschutz. Die Länder setzen diese Grundsätze aber sehr unterschiedlich um.
Eine ärztliche Diagnose allein reicht meist nicht. In fast allen Ländern stellt die Schule selbst fest, ob besondere Schwierigkeiten vorliegen. Externe Gutachten werden berücksichtigt, ersetzen die schulische Feststellung aber selten.
Übersicht: Alle Bundesländer auf einen Blick
| Bundesland | Vorschrift | Notenschutz in der Schulzeit | Im Abitur | Wer stellt LRS fest? |
|---|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | Verwaltungsvorschrift Förderbedarf (2008) | vor allem Klasse 1 bis 6, danach nur in Ausnahmefällen | nur Nachteilsausgleich | Schule |
| Bayern | Bayerische Schulordnung §§ 31 bis 36 | ohne Altersgrenze | ja | Schulpsychologie |
| Berlin | Grundschulverordnung § 16 und Folgeverordnungen | Jahrgang 3 bis 13 | ja, für die Rechtschreibung | Schule, ab Klasse 7 mit SIBUZ |
| Brandenburg | LRS-Verordnung (2017) | alle Schulstufen | möglich, mit fachärztlichem Attest | Schule, ab Klasse 5 mit Schulpsychologie |
| Bremen | Verordnung Inklusive Bildung (2025) | ab Jahrgang 4 bis Jahrgang 9 und in Abschlussprüfungen | nicht eindeutig geregelt | Schule mit anerkannten Tests |
| Hamburg | Notenschutzverordnung (2024) | alle Schulstufen | ja | Schule mit festgelegten Tests |
| Hessen | VOGSV (2011, geändert 2023) | bis Ende Sekundarstufe I | nur Nachteilsausgleich | Schule |
| Mecklenburg-Vorpommern | LRS-Förderverordnung (2024) | alle Schularten | Nachteilsausgleich, Notenschutz siehe Prüfungsordnung | Schulpsychologische Diagnostik, Anerkennung durch das Schulamt |
| Niedersachsen | Erlass zur Förderung (2005) | nur in begründeten Ausnahmefällen | kein verbindlicher Notenschutz | Schule |
| Nordrhein-Westfalen | LRS-Erlass (1991) | Klasse 3 bis 6, im Einzelfall bis 10 | nur Nachteilsausgleich | Schule |
| Rheinland-Pfalz | Verwaltungsvorschrift (2007) | Sekundarstufe I | nur Nachteilsausgleich | Schule |
| Saarland | Richtlinien (2009) | bis Klasse 9 | nur Nachteilsausgleich | Schulpsychologischer Dienst |
| Sachsen | Verwaltungsvorschrift LRS-Förderung (2006) | Grundschule und befristet in der Sekundarstufe I | nur Nachteilsausgleich | qualifizierte Lehrkräfte oder Schulpsychologie |
| Sachsen-Anhalt | Erlasse zur Leistungsbewertung | Grundschule und Sekundarstufe I | nur Nachteilsausgleich | Schule |
| Schleswig-Holstein | Nachteilsausgleich- und Notenschutzverordnung (2022) | alle Schulstufen | ja, zurückhaltende Gewichtung | schulische LRS-Fachkraft |
| Thüringen | Thüringer Schulordnung § 59 | ja, außer in Klasse 9 und 10 und in der Qualifikationsphase | kein Notenschutz | Schule |
Die Tabelle vereinfacht. Die genauen Bedingungen stehen in den Abschnitten zu den einzelnen Ländern.
Baden-Württemberg
Nachteilsausgleich: Möglich in allen Klassen und Prüfungen. Kein Vermerk im Zeugnis. Notenschutz: In Klasse 1 bis 6 werden Lese- und Rechtschreibleistungen in Deutsch und Fremdsprachen zurückhaltend gewichtet. Ab Klasse 7 ist das nur noch in begründeten Ausnahmefällen möglich, in Abschlussklassen und in der Oberstufe gar nicht.
Bayern
Notenschutz: Bei einer Lesestörung wird das Vorlesen in Deutsch und Fremdsprachen nicht bewertet, bei einer Rechtschreibstörung die Rechtschreibung. Das gilt ohne Altersgrenze und auch in Abschlussprüfungen und im Abitur. Feststellung: Eine schulpsychologische Stellungnahme ist immer nötig und reicht aus.
Berlin
Nachteilsausgleich: Bis zu 25 Prozent mehr Zeit, in der Oberstufe in der Regel höchstens 45 Minuten zusätzlich. Notenschutz: Auf Antrag für jeweils ein Schuljahr, von Jahrgang 3 bis 13. Notenschutz für die Rechtschreibung gilt auch beim MSA und im Abitur.
Brandenburg
Nachteilsausgleich: Möglich von Klasse 1 bis zur Oberstufe. Kein Vermerk im Zeugnis. Notenschutz: Auf Antrag in einzelnen Fächern. Zeugnis: Bei Notenschutz steht ein Vermerk auf allen Zeugnissen.
Bremen
Vorschrift: Verordnung über die Inklusive Bildung an öffentlichen Schulen (BremInBilV), in Kraft seit 01.08.2025, und § 38 Bremisches Schulgesetz. Notenschutz: Nur, wenn der Nachteilsausgleich nicht ausreicht. Feststellung: Für Notenschutz sind landesweit anerkannte Tests nötig, die höchstens 18 Monate alt sind.
Hamburg
Nachteilsausgleich: Frühestens nach sechs Monaten schulischer Förderung. Notenschutz: Voraussetzung sind mindestens zwölf Monate Förderung und Nachteilsausgleich. Feststellung: Die Schule stellt die Schwierigkeiten selbst mit festgelegten Tests fest.
Hessen
Notenschutz: Die Rechtschreibleistung kann teilweise oder ganz aus der Bewertung genommen werden, mit Zustimmung der Eltern. Das gilt grundsätzlich bis zum Ende der Sekundarstufe I. In der Oberstufe nur im Ausnahmefall auf Antrag bei der Schulaufsicht, im Abitur gar nicht.
Mecklenburg-Vorpommern
Nachteilsausgleich: Soll ab Jahrgang 3 in allen Fächern gewährt werden. Notenschutz: In allen Schularten möglich, wenn Förderung und Nachteilsausgleich nicht reichen. Feststellung: Die Eltern beantragen frühestens in Jahrgang 4 über die Schule eine Diagnostik.
Niedersachsen
Nachteilsausgleich: Hat Vorrang. Notenschutz: Nur in besonders begründeten Ausnahmefällen, zum Beispiel stärkere Gewichtung mündlicher Leistungen oder ein zeitweiser Verzicht auf die Bewertung der Rechtschreibung. Feststellung: Ein außerschulisches Gutachten reicht allein nicht aus.
Nordrhein-Westfalen
Notenschutz: Die Rechtschreibung fließt nicht in die Bewertung schriftlicher Arbeiten ein und wird in der Deutschnote zurückhaltend gewichtet. Das gilt in Klasse 3 bis 6, in begründeten Einzelfällen bis Klasse 10. Feststellung: Atteste und Gutachten begründen keinen zwingenden Anspruch.
Rheinland-Pfalz
Nachteilsausgleich: Möglich bis zum Schulabschluss, auch in der Oberstufe. Notenschutz: In der Sekundarstufe I möglich. In der Oberstufe ist Notenschutz grundsätzlich nicht zulässig.
Saarland
Nachteilsausgleich: Bis zu 50 Prozent mehr Zeit, auch im Abitur. Notenschutz: Bei festgestellter Störung bis einschließlich Klasse 9. Ab Klasse 10 gibt es keinen Notenschutz.
Sachsen
Notenschutz: In der Grundschule können Teilleistungen in Deutsch oder der Fremdsprache auf Antrag der Eltern unbenotet bleiben. In der Sekundarstufe I kann die Benotung der Rechtschreibung befristet ausgesetzt werden, vor allem in Klasse 5 und 6. In Oberstufe und Abitur gibt es keinen Notenschutz.
Sachsen-Anhalt
Nachteilsausgleich: Zum Beispiel mehr Bearbeitungszeit (in der Regel bis zur Hälfte zusätzlich), technische Hilfsmittel, größere Schrift oder veränderte Formen des Leistungsnachweises. Notenschutz: In Grundschule und Sekundarstufe I möglich. In der Oberstufe gibt es dazu keine Regelung.
Schleswig-Holstein
Nachteilsausgleich: Möglich auch ohne förmliche Feststellung. Notenschutz: In Grundschule und Sekundarstufe I werden das Vorlesen und die Sprachrichtigkeit in Deutsch und Fremdsprachen nicht bewertet, mündliche Beiträge zählen stärker. In der Oberstufe wird die Sprachrichtigkeit zurückhaltend gewichtet, auch in der Abiturprüfung.
Thüringen
Notenschutz: Ein teilweiser Verzicht auf die Bewertung, zum Beispiel der Rechtschreibung, ist möglich. Nicht möglich ist er in Klasse 9 und 10 sowie in der Qualifikationsphase der Oberstufe, weil dort Abschlüsse erworben werden.
So beantragen Sie einen Nachteilsausgleich
- Gespräch mit der Lehrkraft suchen. Sprechen Sie zuerst mit der Deutsch- oder Klassenlehrkraft. Fragen Sie, was der Schule aufgefallen ist und welche Förderung es schon gibt.
- Unterlagen sammeln. Bringen Sie vorhandene Testergebnisse oder Gutachten mit. Sie ersetzen in den meisten Ländern nicht die schulische Feststellung, helfen aber im Gespräch.
- Schriftlich beantragen. Stellen Sie den Antrag schriftlich bei der Schulleitung oder Klassenleitung und nennen Sie konkrete Maßnahmen, zum Beispiel mehr Zeit bei Klassenarbeiten.
- Entscheidung abwarten und nachhalten. In den meisten Ländern entscheidet die Klassenkonferenz oder die Schulleitung. Maßnahmen werden regelmäßig überprüft, oft einmal pro Schuljahr.
- Vor Prüfungen früh planen. Für Abschlussprüfungen und das Abitur gelten eigene Fristen. Stellen Sie den Antrag möglichst früh im Schuljahr.
Unser kostenloser LRS-Test hilft Ihnen, die Schwierigkeiten Ihres Kindes vor dem Gespräch besser einzuschätzen. Wie Sie Ihr Kind zusätzlich fördern können, lesen Sie im Artikel Förderung bei LRS.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Nachteilsausgleich und Notenschutz? Beim Nachteilsausgleich werden die Bedingungen angepasst, zum Beispiel mit mehr Zeit oder Hilfsmitteln. Die Anforderungen bleiben gleich, deshalb steht er nicht im Zeugnis. Beim Notenschutz werden bestimmte Leistungen wie die Rechtschreibung nicht oder weniger stark bewertet. Das wird in den meisten Ländern im Zeugnis vermerkt.
Brauche ich eine ärztliche Diagnose für den Nachteilsausgleich? In den meisten Bundesländern nicht. Die Schule stellt die Schwierigkeiten selbst fest. Ausnahmen gibt es zum Beispiel in Bayern, wo eine schulpsychologische Stellungnahme nötig ist, und in der Brandenburger Oberstufe, wo für Notenschutz ein fachärztliches Attest verlangt wird.
Gibt es einen Nachteilsausgleich auch in der Grundschule? Ja, grundsätzlich in allen Bundesländern. Gerade in der Grundschule sind die Möglichkeiten oft am größten. In einigen Ländern können Lese- und Rechtschreibleistungen dort ganz unbewertet bleiben.
Gibt es Notenschutz bei LRS auch in Englisch? Das hängt vom Bundesland ab. In Bayern und Berlin wird zum Beispiel das Vorlesen in Fremdsprachen nicht bewertet. In Schleswig-Holstein wird in Grundschule und Sekundarstufe I die Sprachrichtigkeit in Fremdsprachen nicht bewertet. Einige Länder erlauben auch, mündliche Leistungen in Fremdsprachen stärker zu gewichten. Bayern hat diese Möglichkeit 2024 abgeschafft.
Steht LRS im Abschlusszeugnis? Die Diagnose selbst steht in keinem Bundesland im Zeugnis. Wurde Notenschutz gewährt, steht in vielen Ländern ein Vermerk, dass bestimmte Leistungen nicht bewertet wurden. In Niedersachsen gibt es im Abschlusszeugnis keinen solchen Vermerk.
Gibt es Notenschutz im Abitur? Nur in wenigen Ländern, zum Beispiel in Bayern, Berlin, Hamburg und Schleswig-Holstein. In Brandenburg ist er mit fachärztlichem Attest möglich. In den meisten anderen Ländern ist im Abitur nur ein Nachteilsausgleich möglich, meist in Form von mehr Zeit.
Hinweis
Diese Übersicht fasst die Regeln der Bundesländer verständlich zusammen und ersetzt keine Rechtsberatung. Vorschriften ändern sich regelmäßig, und Schulen haben oft Spielraum bei der Umsetzung. Maßgeblich sind die aktuellen Vorschriften Ihres Bundeslandes und die Auskunft Ihrer Schule. Stand dieser Seite: Oktober 2026.
Grundlage für alle Länder: Grundsätze der Kultusministerkonferenz zur Förderung bei besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben (2003, Fassung 2007)
