Selbstwertgefühl bei LRS stärken: So geht es Ihrem Kind besser
Wie Schulschwierigkeiten das Selbstbild eines Kindes prägen und welche Alltagsschritte das Selbstwertgefühl wieder aufbauen.

Kinder messen sich in der Grundschule an dem, was in der Schule zählt – und das ist vor allem Lesen und Schreiben. Wer dabei jeden Tag hinterherhinkt, zieht schnell Schlüsse über sich selbst, die weit über den Deutschunterricht hinausgehen. Wenn Sie das Selbstwertgefühl Ihres Kindes bei LRS stärken möchten, ist das deshalb kein weiches Nebenthema, sondern die Grundlage dafür, dass Ihr Kind überhaupt wieder bereit ist zu üben.
Was in einem Kind mit LRS passiert
Ab der zweiten Klasse merken Kinder sehr genau, wer schnell liest und wer nicht. Sie hören die Seufzer, wenn sie beim Vorlesen an der Reihe sind. Sie sehen die rot angestrichenen Diktate. Und weil Kinder in diesem Alter noch nicht zwischen "ich kann etwas nicht" und "ich bin nicht gut genug" unterscheiden, wird aus einer Teilleistungsschwäche im Kopf des Kindes eine Aussage über die ganze Person.
Typische Folgen sind Sätze wie "Ich bin der Dümmste in der Klasse", das Vermeiden von allem, was mit Schrift zu tun hat, oder der Klassenclown, der lieber für Frechheiten Aufmerksamkeit bekommt als für Fehler. Auch Bauchschmerzen am Sonntagabend gehören dazu.
Wichtig für Sie als Eltern: Das ist keine Charakterfrage, sondern eine nachvollziehbare Reaktion auf jahrelangen Misserfolg. Was hinter der Schwäche steckt, beschreibt unser Artikel was genau eine Legasthenie bedeutet.
Warum gut gemeintes Lob oft nicht ankommt
"Du bist doch so klug!" hilft einem Kind wenig, das gerade das Gegenteil erlebt hat. Kinder gleichen Lob mit ihrer eigenen Erfahrung ab, und wenn beides nicht zusammenpasst, gewinnt die Erfahrung – das Lob wird als Trost abgehakt.
Was ankommt, ist konkret und überprüfbar:
- "Du hast dich hingesetzt, obwohl du keine Lust hattest. Das ist der schwerste Teil."
- "Letzte Woche hast du bei diesem Wort noch überlegt, heute nicht mehr."
- "Du hast dich getraut zu fragen, obwohl die anderen zugehört haben."
Diese Art Rückmeldung bezieht sich auf etwas, das das Kind selbst gesteuert hat. Genau daraus entsteht Selbstwirksamkeit – die Erfahrung, durch eigenes Tun etwas bewirken zu können. Sie ist der eigentliche Motor des Selbstwertgefühls.
Sorgen Sie für Bereiche ohne Buchstaben
Ein Kind, dessen Tag nur aus Schule, Hausaufgaben und Üben besteht, hat keine Gelegenheit, sich als kompetent zu erleben. Deshalb braucht jedes LRS-Kind mindestens ein Feld, in dem Schrift keine Rolle spielt und in dem es besser wird, weil es dranbleibt.
Das kann Sport sein, ein Instrument, Klettern, Kochen, Handwerken, der Umgang mit Tieren oder das Bauen und Reparieren von Dingen. Entscheidend ist nicht, was es ist, sondern dass Ihr Kind dort Fortschritte sieht und dass diese Fortschritte in der Familie genauso ernst genommen werden wie eine Deutschnote. Wenn ein Kind erlebt "ich kann hier etwas richtig gut", relativiert sich die Schwäche im Lesen von selbst.
Praktisch heißt das auch: Diese Aktivität wird nicht gestrichen, wenn die Noten schlechter werden. Sie ist kein Bonus, sondern Teil der Förderung.
Drei Dinge für zu Hause, die wenig Zeit kosten
Lesen Sie weiter vor, auch bei größeren Kindern. Vorlesen trennt Geschichten vom Entziffern. Ihr Kind erlebt, dass Bücher Spaß machen, ohne dass es dafür Leistung bringen muss. Bei älteren Kindern funktionieren auch Hörbücher hervorragend – der Wortschatz wächst dabei genauso.
Führen Sie ein kurzes Abendritual ein. Zwei Minuten reichen: Was ist heute gut gelaufen? Was war schwierig? Es geht nicht um Bilanz, sondern darum, dass Ihr Kind das Gute nicht übersieht. Kinder mit Misserfolgserfahrung erinnern sich fast nur an das, was schiefging.
Lassen Sie Verantwortung übernehmen. Den Tisch decken, dem jüngeren Geschwisterkind etwas beibringen, den Einkauf planen – jede Aufgabe, bei der Ihr Kind gebraucht wird, zahlt auf sein Selbstbild ein.
Die Geschwister nicht vergessen
Wenn ein Kind viel Aufmerksamkeit für seine Schwierigkeiten bekommt, gerät die Familiendynamik leicht in Schieflage – in beide Richtungen. Das Geschwisterkind fühlt sich übersehen, oder das LRS-Kind hört die Vergleiche ("bei deiner Schwester ging das immer so schnell") und zieht sich weiter zurück.
Hilfreich ist, Fortschritte grundsätzlich an der eigenen Entwicklung zu messen, nie an der des Geschwisterkinds, und dem Geschwisterkind ehrlich zu erklären, warum gerade mehr Zeit in das Üben fließt. Kinder akzeptieren Ungleichheit erstaunlich gut, wenn sie den Grund kennen.
Warum selbstständiges Üben so viel bewirkt
Ein Punkt, der beim Selbstwert oft übersehen wird: Solange Eltern bei jeder Übung danebensitzen und korrigieren, bleibt das Kind in der Rolle desjenigen, der Hilfe braucht. Sobald es allein übt und anschließend zeigen kann, was es geschafft hat, dreht sich diese Rolle um.
Dafür braucht es Aufgaben auf dem richtigen Niveau – nicht so leicht, dass sie langweilen, nicht so schwer, dass Frust entsteht. Genau das leistet die Legaro App für Kinder mit Legasthenie: Sie passt den Schwierigkeitsgrad automatisch an, hält die Einheiten bei 10 bis 15 Minuten und zeigt nach jeder Übung, was geschafft wurde. Das Erfolgserlebnis gehört dabei dem Kind allein – Sie sehen den Fortschritt im Elternbereich, ohne kontrollieren zu müssen.
Wann Sie sich Unterstützung holen sollten
Hinter anhaltenden Selbstzweifeln kann mehr stecken als Schulfrust. Holen Sie sich fachlichen Rat, wenn Ihr Kind über längere Zeit sehr zurückgezogen ist, morgens regelmäßig über Bauch- oder Kopfschmerzen klagt, nicht mehr in die Schule will oder sich selbst abwertet ("ich bin nichts wert"). Ansprechpartner sind die Kinderärztin, die Schulpsychologie oder eine Erziehungsberatungsstelle – alle drei sind kostenfrei erreichbar.
Und falls Sie noch keine Klarheit über die Ursache der Schwierigkeiten haben: Unser kostenloser LRS-Test für Eltern liefert in wenigen Minuten eine erste Einschätzung. Wie Sie die tägliche Förderung entspannt organisieren, lesen Sie in unserem Praxisleitfaden zur LRS-Förderung zu Hause.
Möchten Sie Ihrem Kind helfen?
Die Legaro App bietet spielerische Übungen für Kinder mit LRS.
Die Legaro App ansehen